Pünktlich zum September ging die Schule wieder los. Die Zeit der frischen Hefte und neuen Bücher bedeutete auch für mich einen Neustart mit mehr Zeit zum Schreiben. Mein Monatsrückblick für den September 2026 erzählt deshalb vor allem von Fortbildungen, von einem Roman über Schuld und von Videos, die mehr Nerven gekostet haben als gedacht.
Was ich gelesen habe
Mein absolutes Lese-Highlight war im September der Roman „Das Glashotel“* von Emily St. John Mandel. Ich kannte die Autorin bereits von „Das Licht der letzten Tage“ (“Station Eleven“)*, einem Roman, der zur Spitzengruppe meiner Lieblingsbücher gehört. Deswegen war ich etwas besorgt, ein anderer Roman der Autorin könnte mich enttäuschen, aber vom ersten Satz an war klar, dass ich das für mich genau richtige Buch in Händen halte. Der Roman spielt grob gesagt vor dem Hintergrund eines Finanzbetrugs im Stil von Bernie Madoff. Die Protagonistin ist Vincent, eine junge Frau, die ihre Mutter früh verloren hat, zunächst etwas haltlos durch die Welt zu taumeln scheint und dann als Barkeeperin in einem Hotel arbeitet, in dem sie den Investor Jonathan Alkaitis kennenlernt.
„Das Glashotel“* wird nicht linear erzählt, was ich als Gewinn empfinde. So können auch die Perspektiven von Nebenfiguren auf eine spannungsfördernde Weise eingebunden werden. Die vielen Facetten von Schuld sind ein Thema, das eine große Rolle spielt. Ich fand es auch sehr interessant, jemandem zuzuschauen, der sehenden Auges so einen gewaltigen Finanzbetrug verursacht, der viele Menschen komplett ruiniert. Wie geht man damit um, zu wissen, dass man bald verhaftet wird? Wie lebt es sich mit der Schuld? Ab wann machen sich die Mitarbeiter mitschuldig? Der Roman stellt viele Fragen. Es geht jedoch nicht nur um den Finanzbetrug, sondern auch in den Nebenhandlungen tritt immer wieder die unlösbare Schuldfrage auf.
Was ich geschrieben habe
Umgraben nenne ich das Schreiben von Vortexten, aus denen später Ideen für Geschichten wachsen. Umgegraben habe ich im September eine Menge. Teilweise habe ich in den Workshops geschrieben, die ich besucht habe. Ich bin aber auch wieder diktierend durch den Wald gezogen und habe auch ebenso regelmäßig Zeit am Schreibtisch verbracht. Dadurch bin ich auf viele Ideen gekommen, die ich teilweise später verwenden werde.
Was sonst noch passiert ist
Der September war der Fortbildungs-Monat. Los ging es mit einem Online-Abend zum Thema „Wortwandern“. Das war kreatives Schreiben zum Thema Natur. Es hat mir Spaß gemacht, mich einfach mal wieder selbst von Schreibanregungen überraschen zu lassen und draufloszuschreiben.
Am 8. September war ich beim Fachtag NRW für Schreibworkshop-Leiter*innen in Remscheid. Das ist eine alljährliche Fortbildung, organisiert vom Team des Schreiblands NRW und der Akademie der Kulturellen Bildung. Ich habe den Workshop „Schreiben mit Jugendlichen“ von Nils Mohl besucht und dort viele Anregungen erhalten, wie man Kurse mit jungen Autor*innen gestalten kann. Mindestens ebenso wichtig wie die Workshops sind beim Fachtag die Begegnungen mit den Kolleg*innen. Es ist schade, sich nur einmal im Jahr zu treffen, weil man sich so viel zu erzählen hat.
Am selben Abend hatte ich ein weiteres Online-Seminar bei Andrew Wille und Kit de Waal. Auf dieses Seminar habe ich Jahre meines Lebens gewartet. Ich habe dort gelernt, wie ich all das, was ich schreiben und lesen und lernen möchte, besser organisieren kann, um nicht mit Vollgas und durchdrehenden Reifen auf demselben Fleck zu bleiben. Das Seminar dauerte nur anderthalb Stunden, aber ich profitiere seitdem Tag für Tag davon.
Weiter ging es dann mit einer Art Schnupperkurs mit dem Titel „Beyond the Art“ von Dan Simpson. Das ist eine Fortbildung für Seminarleiter*innen im kreativen Bereich. Wir teilen ja das Elend, dass wir uns mit unserem Thema, also dem Schreiben, Malen, Schauspielen usw., auskennen, jedoch nie richtig beigebracht bekommen, Kurse zu leiten, sondern einfach hineingeschubst werden. Im Laufe der mittlerweile über 20 Jahre habe ich durch Erfahrung, Beobachtung und einzelne Fortbildungen gelernt, Kurse zu leiten, aber ich wünsche mir nach wie vor eine Verfeinerung meiner Methodik, um flexibler auf unterschiedliche Gruppen eingehen zu können. Deswegen habe ich mich nach dem Schnupperkurs bei Dan entschieden, den großen Kurs „Beyond the Art“ zu absolvieren.
Des Weiteren habe ich im September die ersten Videos für den Kurs „Gruselgeschichten schreiben“ aufgenommen. Das Filmen sollte eigentlich ganz einfach sein, aber es hat quälend lange gedauert, mein eingerostetes Technikwissen zu regenerieren.
Im Oktober wartet also das Seminar „Beyond the Art“ auf mich. Außerdem freue ich mich auf das Gutenberg-Museum in Mainz.
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