Eigentlich wollte ich diesen Rückblick schon Anfang September schreiben. Jetzt entsteht er, während ich beim Diktieren durch den Wald laufe. Gerade bin ich an einem umgekippten Baum vorbeigekommen und finde, das passt zu diesem August. Vieles lag flach und der Wind war Schuld. Aber der Reihe nach.
Was ich gelesen habe
Zwei Bücher, die ich im Juli angefangen hatte, habe ich im August beendet – und beide waren absolute Highlights. “Land“* von Maggie O’Farrell war eines davon, “Am Meerschwein übt das Kind den Tod“* von Nora Gomringer das andere.
Gefallen hat mir in diesem Monat auch der Roman “Die fliegenden Trautmanns“* von der kanadischen Autorin Miriam Toews. An die beiden Highlights kommt es nicht ganz heran, aber gefallen hat er mir trotzdem.
Es geht um Hattie, die eigentlich in Paris lebt, aber nun zurück in ihre Heimat Kanada fliegt, denn ihre Schwester Min ist schwer krank in die Psychiatrie eingeliefert worden.
Min ist schon ihr ganzes Leben lang immer wieder krank und selbstmordgefährdet gewesen, Hattie kann sich nicht erinnern, dass es je anders war. Min hat auch gute Phasen, aber meistens ist die Schwester für ihre Familie einfach nicht erreichbar. „Manchmal gab sie völlig überzeugend die Mutter, schaffte den Alltagskram, funktionierte, wir lachten zusammen am Telefon, ich kam einmal im Jahr zu Besuch, wir hatten Spaß, es war alles normal, aber dann passierte es wieder: wie Sand, wie Wasser, wie Luft – es zerrann ihr alles zwischen den Fingern.“
Als Min nun erneut in die Psychiatrie eingewiesen wird, kommt Hattie zurück nach Kanada, um sich um deren beide Kinder zu kümmern, den fünfzehnjährigen Logan und die elfjährige Thebes. Gleich zu Beginn gibt es diese Szene im Krankenhaus, in der Min Hattie zuflüstert: „Hilf mir zu sterben.“ Das ist genau das Gegenteil von dem, was Hattie eigentlich will, nämlich ihr helfen zu leben. Natürlich kann sie Min nicht helfen und aus purer Verzweiflung, sie hat ja selbst keine Ahnung, wie man mit zwei Kindern lebt, nimmt sie die beiden kurzerhand mit und macht sich auf die Suche nach deren Vater. Den haben sie jahrelang nicht gesehen, weil die Mutter ihn irgendwann in einer ihrer schlimmsten Phasen einfach verscheucht hat. Es wird ein Roadtrip entlang der Route 66 bis nach Kalifornien.
Der Roman erzählt davon, wie es den Angehörigen von psychisch kranken Menschen geht. Wie es Kindern geht, die damit aufwachsen und nie ganz sicher wissen, ob sie geliebt werden – denn wenn es ihrer Mutter schlecht geht, fühlt es sich für die beiden so an, als würde sie sie überhaupt nicht lieben. Das Buch zeigt das, ohne Vorwürfe zu erheben, und ist dabei tatsächlich auch immer wieder witzig. Die Figuren sind ziemlich skurril, allen voran Thebes, die sich ungern wäscht, ununterbrochen redet, überdimensionale Gutscheine verschenkt und auf dem Autorücksitz eine Bastelwerkstatt einrichtet. Nur die kleine Nebengeschichte um Hatties eigene Trennung in Paris fand ich ziemlich kitschig geraten – wobei ich mich frage, ob genau der Kontrast nicht sogar nötig war: die Probleme von gesunden Menschen neben einer wirklich schweren Krankheit.
Was ich geschrieben habe
Mein Plan war super: Ich wollte im Urlaub zu meinem Kurs „Schreiben in und mit der Natur“ die Meeres-Version machen und am Strand oder im Ausguck in den Dünen sitzen und schreiben.Das hab ich genau zweimal getan.Zum Teil lag das daran, dass ich nach dem Schwimmen nicht länger draußen bleiben wollte als unbedingt notwendig, weil es so heiß war, dass ich das Gefühl hatte auf meinem Rücken stünde schon in Hummerrot „Hautkrebs“ geschrieben. An anderen Tagen war es so windig, dass es schlicht nicht möglich war auf ein vor sich hin flatterndes Blatt zu schreiben.
Also habe ich vor allem Tagebuch geschrieben und Blogbeiträge. Drinnen.
Was sonst noch geschah
Aber ich möchte mich nicht beklagen, denn Urlaub zu haben bedeutete auch im Meer zu schwimmen, Seesterne zu entdecken, Muscheln beim sich Eingraben zuzuschauen, die Milchstraße zu sehen samt Andromedanebel, ein Seehundjunges mitten am Badestrand zu entdecken, die Sonnenfinsternis anzuschauen, die fröhlichsten Gottesdienste des Jahres zu feiern, Queller zu essen und hab ich schon erwähnt IM MEER ZU SCHWIMMEN?








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