Schon lange wollte ich mal Blackout Poetry ausprobieren. Blackout Poetry ist eine kreative Schreibtechnik, bei der du auf einer bestehenden Buchseite einzelne Wörter stehen lässt und den Rest schwarz überstreichst, sodass ein neues, eigenständiges Gedicht sichtbar wird. Genau das habe ich ausprobiert – erst allein mit einer alten Buchseite, später mit einer ganzen Gruppe Kinder im Schreibworkshop.
Den Anstoß, mich endlich mit Blackout Poetry zu beschäftigen, gab letztlich Lily Magdalens Blogparade „Blackout Poetry – die Verschmelzung von Kreativität & Intuition”.
Der Ausflug zum Bücherschrank
Als erstes bin ich zum nächsten Bücherschrank gegangen, mit der Absicht, ein altes Buch zu finden, das seine Seiten für meinen Plan zur Verfügung stellt. Einfach, oder?
Doch nicht. Ich ging mit einem Stapel von fünf Büchern nach Hause, aber vier taten mir zu leid. Selbst aus dem alten Kinderbuch, das wahrscheinlich aus den 80ern stammte, konnte ich keine Seiten herausreißen. Zum Glück hatte ich auch „Russendisko” von Wladimir Kaminer gefunden. Weil dieses Buch auch bei mir im Regal steht, konnte ich aus dem Fundstück Seiten reißen. Außerdem schien mir die Sprache interessant genug, um als Grundlage für die Blackout Poetry zu dienen.
(Ja, ich weiß: die eigentlich naheliegende Lösung für mein Zerreiß-Problem wäre gewesen, ein paar Seiten einfach zu kopieren. Sehr vernünftig, sehr schonend fürs Buch. Aber für den allerersten Versuch wollte ich unbedingt mit echten Seiten aus echten Büchern arbeiten, keine Kopie.)
Wie funktioniert Blackout Poetry Schritt für Schritt?
Kurz gesagt: Seite lesen, Wörter markieren, Rest schwärzen. Im Detail lief es bei mir so:
Erst hab ich die Seite ganz normal gelesen. Einmal richtig, mit vollem Verständnis. Dann noch mal – diesmal nur scannend, auf der Suche nach Wörtern und Wendungen, die mich anspringen. Diese hab ich unterstrichen. Mit den unterstrichenen Wörtern habe ich dann herumgespielt, um eine halbwegs vernünftige Beziehung zwischen den Worten herzustellen.
Der Rest wurde mit schwarzem Wachsmaler – in Ermangelung von Filzstiften – konsequent durchgestrichen.
Was dabei herauskam, war… nun ja. Merkwürdig. Ich hatte insgeheim auf etwas Berührendes gehofft, etwas Verblüffendes. Stattdessen stand da:
Automaten sind sportbegeistert.
Sie hopsen in der Rouletteschüssel.
Sie gewinnen, Spiel aus
lange nach Mitternacht.
Die Spieler fluchten wie der letzte Tag.
Quatsch als Anfang, nicht als Ende
Okay, das ist nicht poetisch, nicht berührend. Ein bisschen Quatsch. Aber warum nicht? Es war auch vermessen, im allerersten Versuch zu viel zu erwarten. Außerdem muss das ja gar nicht das Ende sein. Dieser kleine, schräge Text über hopsende Automaten könnte genauso gut der Anfang von etwas sein – der Kern für eine ganz kurze neue Geschichte, in der die Automaten oder das Roulettespiel selbst zur Hauptsache werden.
Vermutlich braucht es ein paar Seiten mehr, bevor bei mir mal ein wirklich faszinierendes Ergebnis dabei herausspringt. Aber Spaß gemacht hat es trotzdem – und verblüfft war ich auch.
Was bleibt
Was mich am meisten überrascht hat: wie viel Freude es mir macht, mit Papier und Stift in der Hand auf den glücklichen Zufall zu warten – auf den magischen Moment, in dem plötzlich hinter den unzusammenhängenden Wörtern eine Bedeutung aufscheint.
Funktioniert Blackout Poetry auch mit Kindern?
Ja, und zwar richtig gut. Das habe ich in der Ferienakademie des Westfälischen Literaturbüros mit den 11- bis 12-Jährigen getestet.
Als ich den Ablauf erklärte, waren die Kinder entsetzt von dem Gedanken, eine echte Buchseite zu nutzen. Aber ich hatte ihnen sowieso zwei Seiten mitgebracht, die Lily Magdalen extra für die Blogparade zur Verfügung gestellt hat. Sie haben zwei Seiten nach interessanten Wörtern und Wendungen abgefischt und den Rest in Schwarz ertränkt.
Manche Kinder haben sehr viele Wörter von den beiden Seiten übrig gelassen, andere haben knapp nach den für sie lohnendsten Wörtern oder Ausdrücken gesucht.
Es war die Stimmung
Der Blick
Ich fühlte nicht
wie eine Elfe
oder auch:
Irrlichter und Elfen
spiralförmig
Das sind zwei Beispiele für die kurzen Texte und Bilder, die entstanden sind. Auch hier finde ich, dass man sie gut weiterverwenden kann als Ausgangspunkt oder Sprungbrett für neue Ideen.


Vorläufiges Fazit zur Blackout Poetry
Ich bin froh, dass mir die Blogparade von Lily Magdalen den Antrieb gab, Blackout Poetry auszuprobieren. Sie traf mich in einer sehr geschäftigen Phase an, aber ich habe mir vorgenommen, nach den Sommerferien einen Streifzug durch meine Bücherregale zu unternehmen, unterschiedlichste Seiten zu fotokopieren (!) und weitere Versuche mit der Blackout Poetry zu unternehmen.
Schreib gerne mit, falls du auch bei Lily Magdalens Blogparade mitmachen möchtest – noch bis zum 2. August 2026.
Wenn du mehr von solchen kleinen Schreibexperimenten lesen möchtest, melde dich gerne zu meinem Newsletter an. Dort erzähle ich regelmäßig, was sich in meinem Schreiballtag so tut.
Blackout Poetry ist eine kreative Technik, bei der man auf einer Buchseite
einzelne Wörter stehen lässt und den Rest schwarz überstreicht – so entsteht ein
ganz neues, eigenständiges Gedicht aus vorhandenem Text.
Am besten eins, das du notfalls entbehren kannst – aus dem Bücherschrank oder ein
Zweitexemplar. Wichtiger als das Buch selbst ist eine Sprache, die dich anspricht;
bei mir war das “Russendisko” von Wladimir Kaminer.
Seite lesen, dann noch mal nur scannend nach interessanten Wörtern suchen, diese
markieren und den Rest konsequent schwärzen.
Ja, das habe ich selbst in einem Schreibworkshop getestet. Kinder brauchen nicht
zwingend eine echte Buchseite – vorbereitete Kopien funktionieren genauso gut.
Nein. Eine schonende Alternative ist, ein paar Seiten einfach zu kopieren und
damit zu arbeiten.


Ich bin entzückt über die sportbegeisterten hopsenden Automaten! *_* Und sehr berührt von der Idee, Blackout Poetry im Workshop mit Kindern auszuprobieren – und den Ergebnissen.
Danke, dass du bei meiner Blogparade zu Gast warst!
Viele Grüße
Lily
Danke für das schöne Thema!
Viele Grüße
Pia